Genügt das neue Wohnungsbaupaket, um Bauverzögerungen entgegenzuwirken? Eine Experteneinschätzung

Der akute Wohnungsmangel und die hohen Immobilienpreise gehören zu den größten gesellschaftlichen Problemen in Deutschland. Stellt das Wohnungsbaupaket der Bundesregierung eine geeignete Lösung dar? Der Ingenieur Andreas Scheibe, der auf einen reichen Erfahrungsschatz in Planung und Ausführung zurückblicken kann, kommt zu einem negativen Urteil.

Für ihn genügen die verschiedenen Maßnahmen nicht, um die Hauptprobleme anzugehen. Viele Bauvorhaben würden an überlangen Genehmigungsverfahren, Planungsfehlern und unklaren Zuständigkeiten scheitern. In diesem Beitrag beschreibt Andreas Scheibe, welche Folgen das Wohnungsbaupaket in der Praxis hat und wie sich das Tempo der Bautätigkeit wirklich steigern ließe.

Bekämpfung der Symptome, nicht der Ursachen

Der Haupteinwand gegen die Maßnahmen der Bundesregierung ist, dass sie lediglich die Symptome, aber nicht die Ursachen der Bauverzögerungen angehen. Was oft übersehen wird: Schon in der frühen Planungsphase ist es von größter Bedeutung, dass die Auftraggeber den Austausch mit den späteren Nutzern suchen. Nur so können sie den wirklichen Bedarf erfassen und mit Planungsbüros sowie Architekten effizient zusammenarbeiten.

Zeitdruck- ein Produkt der staatlichen Förderung

Neben der unzureichenden Abstimmung haben viele Auftraggeber auch mit den zeitlichen Fristen der staatlichen Förderung zu kämpfen. In Deutschland ist die Bauplanung besonders komplex, sodass Projektteams unter Zeitdruck leicht Fehler unterlaufen. Die fast schon logische Konsequenz sind unvollständige und mangelhafte Leistungsverzeichnisse, die Handwerker häufig vor riesige Probleme stellen und weitere Verzögerungen sowie höhere Kosten nach sich ziehen.

Die Folgen für den Handwerkssektor

Aktuell geht die Bau- und Sanierungstätigkeit im Privatsektor stark zurück, sodass die Bedeutung staatlicher Subventionen für die Baubranche immer mehr zunimmt. Die Folge ist, dass sich der Fokus von Handwerkern auf öffentliche Aufträge verlagert. Viele Handwerker unterschätzen deren besondere Anforderungen, was häufig zu schwerwiegenden Qualitätsmängeln führt. Diese wiederum tragen zur Verzögerung öffentlicher Bauprojekte bei.

Wie das Problem angepackt werden könnte

Um diesem Rattenschwanz an Problemen aus dem Weg zu gehen, müssen Auftraggeber proaktiv planen. In der Praxis bedeutet dies, klare Normen vorzugeben, ausreichend Planungszeit einzuräumen und wichtige Entscheidungen zu treffen. Diese Maßnahmen würden es Planern und Architekten ermöglichen, effektiv zu arbeiten und so das grundlegende Problem zu lösen.

Solange sich Auftraggeber jedoch scheuen, die Verantwortung für ihre Entscheidungen zu übernehmen, dürfte die Planungsqualität und das Leistungsangebot weiterhin schlecht sein. Und das, obwohl das Bauvolumen alles andere als groß ist. Um die ersehnte Wende zu schaffen, reichen die Impulse des Wohnungsbaupakets nicht aus. Stattdessen müsste man die Planung und Ausführung von Bauprojekten viel grundsätzlicher hinterfragen.


Über Andreas Scheibe:

Andreas Scheibe ist geschäftsführender Gesellschafter mehrerer Unternehmen in der Baubranche und Gründer der Continu-ING GmbH aus Wittlich, einer Unternehmensberatung, die auf echte Lösungen für Handwerksunternehmen fokussiert ist. Er konnte schon zahlreiche Handwerksunternehmen dabei unterstützen, Verlustprojekten den Rücken zu kehren und Sicherheit in Bauabläufen zu erlangen. Die Mission von Andreas Scheibe und Continu-ING ist, das Handwerk zu neuer Stärke zu führen und Handwerkern zu helfen, Bauprojekte endlich stressfreier und profitabler durchzuführen. Mehr Informationen dazu unter: https://www.continu-ing.com/

Erstellt von (Name) E.R. am 16.11.2023
Geändert: 25.11.2024 16:12:43
Autor:  Andreas Scheibe
Quelle:  Continu-ING GmbH
Bild:  Andreas Scheibe, Continu-ING GmbH
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